Bei dem beschriebenen Arbeitsablauf wird davon ausgegangen, dass nicht nur ein Interesse daran besteht, gleichmäßig gute Mundstücke anzufertigen, sondern auch die Notwendigkeit einer statistischen Erfassung der Daten von den einzelnen Hölzern einsichtig ist. Nur wenn von dem fertigen Mundstück später noch die Daten über die Holzqualität nachzuprüfen sind, können Rückschlüsse auf das Material gezogen werden. Als Muster einer praktischen Tabelle für Fagotthölzer mit einer Länge von 120mm wurde ein Statistikvordruck erstellt.
In der Praxis hat sich gezeigt, dass die Arbeitseinheiten beim Rohrbau etwa 90 Minuten nicht überschreiten sollten. Aus diesem Grunde wird die Menge der Hölzer auf 25 Stücke begrenzt, von denen sich dann ca. 60% als brauchbar erweisen und innen gehobelt werden.
Die Holzröhren werden wie gewohnt in vier Teile gespalten. Offensichtlich krumm gewachsene Stücke werden sofort aussortiert. Es empfiehlt sich, bei diesem und den folgenden Arbeitsgängen die Anzahl schlechter Stücke zu notieren, damit sich später ein Bild über die Qualität des Materials für weitere Holz-Bestellungen ergibt.
Die übrigen Viertel werden auf Länge geschnitten. Üblicherweise werden Hölzer für Fagott auf 120mm geschnitten. Für die Messung ist es wichtig, dass nur Hölzer gleicher Länge miteinander verglichen werden. Natürlich ist es auch möglich, andere Längen zu verwenden (Kontrafagott), allerdings beziehen sich alle Angaben in den theoretischen Ausführungen auf Hölzer mit einer Länge von 120mm.
Gute Ergebnisse können mit den gebräuchlichen Innenhobeln nur erzielt werden, wenn die Hölzer gerade gewachsen sind. Besonders Stücke, die über die Strecke der 120mm eine Hohlwölbung aufweisen, sind nicht geeignet. Auch verdrehte Hölzer müssen aussortiert werden.
Nun muss noch darauf geachtet werden, dass nur Hölzer Verwendung finden, die dem Radius des Innenhobels entsprechen. Hölzer, die in der Hohlkehle des Innenhobels nicht aufliegen, werden mittig zu dünn gehobelt, Hölzer mit zu kleinem Radius bekommen zu dünne Seiten.
Sobald 25 Hölzer gefunden wurden, die gerade gewachsen sind und den richtigen Radius haben, können diese Stücke mit wasserfestem Stift von 1 bis 25 nummeriert werden. Um Verwechslungen zu vermeiden, sollten die Ziffern 6 und 9 unten mit Punkten versehen werden.
Der AquaSelektor wird mit kaltem Leitungswasser exakt bis zur Wasserstandslinie befüllt.
Damit der Wasserstand im AquaSelektor durch die Messungen nicht absinkt, wird jedes Holzstück unmittelbar vor der Messung zur Hälfte in einem bereit stehenden Wasserglas befeuchtet. Trotzdem sollte der Wasserstand immer wieder kontrolliert werden.
Mit der befeuchteten Seite wird das Holz nun in den AquaSelektor eingetaucht. Oben auf dem Deckel wird am Rand der Messröhre mit dem Zeigefinger durch mehrmaliges Klopfen das Holz im Wasser ausgependelt.
Auf der Skala wird abgelesen, wie weit das Holz im AquaSelektor eingetaucht ist. Dichtes (schweres) Material sinkt tiefer ab und bekommt einen niedrigen Wert. Leichtes Holz hat einen hohen Auftrieb und entsprechend groß ist die abgelesene Zahl auf der Skala. Dieser Wert wird für jedes der 25 Hölzer unter der entsprechenden Nummer des Holzes in die Spalte TAT (TrockenAufTrieb) eingetragen.
Nachdem alle 25 Hölzer gemessen wurden, werden sie in einem Gefäß für genau 4 Stunden durch einen Deckel unter kaltes Wasser gedrückt. Danach wird der Messvorgang im AquaSelektor für jedes Holz wiederholt, wobei die Werte in der Spalte NAT (NassAufTrieb) eingetragen werden. Auch hier ist wieder auf den exakten Wasserstand im AquaSelektor zu achten
Der abgebildete Triple Timer für insgesamt drei gleichzeitige Messungen ist nur ein Beispiel, dass sich beim Rohrbau für die unterschiedlichen Einweichzeiten (Innenhobeln, Außenhobeln, Anspitzen etc.) bewährt hat. Ähnliche Countdown-Timer können z.B. bei
Conrad-Electronic
unter der Rubrik Kurzzeit-Timer bestellt werden.
Die Werte der beiden Spalten TAT und NAT werden für jedes Holz addiert und als SAT in den Statistikvordruck eingetragen. SAT-Werte zwischen 30 und 50 haben sich bei Hölzern von 120mm Länge als brauchbar erwiesen. Jeder Fagottist sollte jedoch seine eigenen Erfahrungen sammeln. Hölzer mit SAT-Werten über 50 sind zu weich, Werte unter 30 deuten auf zu hartes Holz hin. Auf solche Hölzer sollte der SAT-Wert mit wasserfestem Stift neben der Nummer notiert werden. So können zu weiche und zu harte Hölzer gesammelt werden, um sie später evtl. für besondere Zwecke (Barockfagott, Heckelphon) zu verwenden. Wenn von den 25 Hölzern mehr als 60% mit einem SAT-Wert zwischen 30 und 50 übrig bleiben, kann man mit der Qualität des gekauften Materials zufrieden sein.
Die guten Hölzer werden sofort innen ausgehobelt wobei die Dicke den SAT-Werten entsprechen soll. Niedrige SAT-Werte bedeuten hartes Holz. Deshalb wird weniger innen ausgehobelt, also das Holzstück dicker belassen. Später wird dann entsprechend mehr Schale durch den Außenhobel entfernt und die Bahn so in die tieferen, weicheren Schichten des Holzes verlegt. Bei weichen Hölzern muss innen mehr ausgehobelt werden, damit die Bahn später dichter unter der Schale liegt.
Je nach Fabrikat des Innenhobels lässt sich eine Verstellung der Hobeltiefe mit unterschiedlichem Aufwand vornehmen. Hilfreich ist hierbei eine Stellschraube mit Graduierung wie bei dem Modell von K. Michel (Hannover).
Während das Holz innen gehobelt wird, sollte zwischendurch mehrfach mit einer Messuhr die Dicke geprüft werden, bis der gewünschte Wert erreicht ist. Die folgenden Werte haben sich bewährt, sollten aber den eigenen Bedürfnissen angepasst werden.
| SAT 30 = 140,0 | SAT 37 = 129,5 | SAT 44 = 119,0 |
| SAT 31 = 138,5 | SAT 38 = 128,0 | SAT 45 = 117,5 |
| SAT 32 = 137,0 | SAT 39 = 126,5 | SAT 46 = 116,0 |
| SAT 33 = 135,5 | SAT 40 = 125,0 | SAT 47 = 114,5 |
| SAT 34 = 134,0 | SAT 41 = 123,5 | SAT 48 = 113,0 |
| SAT 35 = 132,5 | SAT 42 = 122,0 | SAT 49 = 111,5 |
| SAT 36 = 131,0 | SAT 43 = 120,5 | SAT 50 = 110,0 |
Die fertig ausgehobelten Hölzer können nass mit feinem Schmirgelpapier geglättet und unter fließendem Wasser abgespült werden. Nachdem die Hölzer mind. 12 Stunden gut belüftet getrocknet wurden, können und sollten sie bis zur weiteren Verarbeitung einige Wochen bis Monate ruhen.
Damit sich später fertige Rohre noch den SAT-Werten zuordnen lassen, bekommt jedes Holz mit gutem SAT-Wert (zwischen 30 und 50) noch eine fortlaufende Registrationsnummer, die mit weichem Bleistift auf der Innenseite notiert wird und unter der entsprechenden Ordnungszahl in den Statistikvordruck eingetragen wird. (Nach dem Außenhobeln muss die Registrationsnummer dann auf die Bahn übertragen werden und später auf den Schaft der fertigen Puppe).
Es empfiehlt sich, eine Auswertung über die Holzqualität und die Ergebnisse der fertigen Rohre vorzunehmen. Die SAT-Werte der 25 Hölzer werden unten auf dem Statistikvordruck durch Striche in der Skala vermerkt. Dabei werden auch Werte unter 30 (H = zu hart) und über 50 (W = zu weich) erfasst.
Zur Kontrolle sollte bei den fertigen Mundstücken die Dicke beider Seiten jeweils auf der Längsachse der Bahn an 5 Punkten im Abstand von 5mm von der Öffnung entfernt mit der Messuhr gemessen werden. Dafür sind die Spalten rechts auf dem Statistikvordruck vorgesehen. Wenn das klangliche Ergebnis der Mundstücke nicht den Erwartungen entspricht, muss das nicht immer an der Holzqualität liegen, sondern hat oftmals seine Ursachen in der Materialbearbeitung. Mit entsprechender Übung und insbesondere bei Verwendung eines Anspitzhobels kann durch die richtige Auswahl des Holzes ein gutes Ergebnis beim Rohrbau immer wieder reproduziert werden.
Andreas Schultze-Florey - www.schuflo.de - Stand: 23.08.2006