Bläsermethodik

Mit dem Begriff Methodik sind in Abgrenzung zu den Bereichen Didaktik und Pädagogik die anatomischen Voraussetzungen und physiologischen Vorgänge gemeint, die zur instrumentalen Tonerzeugung führen. Außerdem sind physikalische Parameter und deren Auswirkung am Instrument im Fokus des Blickwinkels.

Aus den Tehmen, die während der meist ganztägigen Seminare anhand von Bild- und Tonmaterial erläutert werden, ist hier eine Auswahl aufgeführt. Darüber hinaus hat sich die praktische Erfahrung im Experiment als fester Bestandteil der Workshops etabliert, um intensiv in das Gebiet der Bläsermethodik Einblick zu nehmen.

Aktive Funktionen der oberen Luftwege

Untersucht werden die anatomischen und physiologischen Bedingungen von Lippen, Wangen, Unterkiefer, Zunge, Gaumensegel und Kehlkopf, einschließlich deren Beteiligung an der Tonbildung. Durch anschauliche Bilder und umfangreiches Videomaterial werden Einblicke möglich, die sonst bei Bläsern unsichtbar bleiben. Darstellungen der Zungenbewegung im Mund geben nicht nur Aufschluss über verschiedene Artikulationen sondern zeigen auch den Zusammenhang von Resonanz im Vokaltrakt und Tonfärbung auf.

Atmung

Durch die klare Gliederung der  komplementären Vorgänge von Einatmung und forcierter Ausatmung werden situationsbedingte Eigenheiten und spezifische Unterschiede bei den Instrumenten deutlich. Die Anpassung der Einatmung, für die oftmals nur der Bruchteil einer Sekunde zur Verfügung steht, und die hohe Kompression in extremen Lagen sind nur die offensichtlichsten Eigenarten beim Spiel von Blasinstrumenten.

Druckmessungen im Mund

Jedes Blsinstrument hat seinen typischen Druckbereich zur Tonerzeugung, der sich deutlich von den anderen Instrumenten unterscheidet. Mit Hilfe von Abbildungen und Videosequenzen der präzisen Druckverhältnisse können selbst kleinste Veränderungen während des Tonbeginns oder bei Bindungen sichtbar gemacht werden. Druck-Profile ganzer Passagen lassen typische Eigenheiten des Spielers erkennen. Grundlegende Ergebnisse der Druckmessung bei Bläsern wurden in einem  Artikel veröffentlicht.

Doppelzunge

Die Fähigkeit zu schnellen Repetionen in der Artikulation einzelner Phrasen erfordert die sichere Beherrschung der Tonanstöße mittles Doppelzunge. Auf dem Weg dahin sind schon die individuellen Unterschiede in der Beschaffenheit der Zunge Grund genug, sich ausführlich mit diesem Thema zu beschäftigen. Viele Missverständisse beruhen auf dem Umstand, dass die Zungenbewegungen während des Spielens unsichtbar sind und sich nur schwer mit dem Gefühl erfassen lassen.

Vibrato

Ab einem bestimmten Spielniveau ist für die meisten Blasinstrumente die musikalische Gestaltung ohne das Ausdrucksmittel Vibrato unbefriedigend. Schon der wenig differenzierte Umgang mit der Terminologie in diesem Zusammenhang ist typisch für die Schwierigkeiten, mit denen sich Bläser beim Erlernen der notwendigen Vibrato-Techniken auseinandersetzen müssen. Die kleinen muskulären Veränderungen, die das Vibrato bei Blasinstrumenten hervorrufen, sind zudem weitestgehend im Körper verborgen. Aus dem Blickwinkel der Bläsermethodik ist es möglich, auch hier systematische Erkenntnisse zu bekommen.

Schwäche des Gaumensegels

Die gezielte Luftzufuhr während des Spielens eines Blasinstruments bedingt den Abschluss der Nase vom Mundraum während der Ausatmung. Bei hohem Druck oder in bestimmten Situationen kommt es oftmals vor, dass verbunden mit unangenehmen Geräuschen Luft durch die Nase entweicht. Dieses Problem der velopharyngealen Dysfunktion kann behoben werden, wenn es erkannt wird und entsprechende Übungen durchgeführt werden. Untersuchungen dazu wurden in einer Fachzeitschrift veröffentlicht.

Beginn und Ende eines Tones

Die Vorgänge bis hin zum Beginn eines Tones sind auf jedem Blasinstrument ein komplexes Zusammenspiel vieler teilweise von außen nicht sichtbarer Paramenter. Im Normalfall wird das Bewusstsein nicht darauf gelenkt und es erfolgt ein quasi instinktiver Umgang damit. Spätestens aber, wenn in heiklen Situationen Unsicherheit auftritt oder im Unterricht die Gestaltung des Tonendes vermittelt werden soll, ist ein abstraktes Verständnis unverzichtbar.

Haltung

Im doppelten Sinn ist ist dieses Thema von besonderem Interesse. Einerseits geht es um die optimale Körperhaltung für das jeweilige instrument, andererseits muss jedes Instrument vom Spieler auch in einer Position gehalten werden, die allen Situationen gerecht wird. Dabei geht es nicht nur um körperliches Empfinden und spieltechnische Voraussetzungen, sondern auch um die künstlerische Aussage und damit die Wirkung auf den Betrachter.

Fingertechnik

Eines der wenigen Gebiete, die in der Bläsermethodik durch äußere Betrachtung erfasst werden können, ist die Fingertechnik. Allerdings sind die Bewegungen oftmals so schnell, dass entscheidende Dinge nicht wahrgenommen werden. Hinzu kommen individuelle Verknüpfungen mit oftmals weit entfernt liegenden Muskelgruppen, die sich als Hindernis erweisen können. Systematische Analysen von Videoaufnahmen in Zeitlupe führen zu verblüffend einfachen Lösungen.